Giovanni/Jean/Ivan Bianchi (1811-1893)

Giovanni/Jean/Ivan Bianchi, *12.12.1811 à Varese, †24.12.1893 à Lugano.
Pionnier de la photographe en Russie et artiste. Fils de Carlo Bianchi (-1823) et Teresa Bianchi-Artari. Ses frères et sœurs: Angiolina (1815-1848), Luigi (1817-1867), Giuseppe (1823-1883) et Cesare.

Portrait de Giovanni/Jean/Ivan Bianchi, pionnier de la photographie en Russie
Portrait de Giovanni Bianchi, pionnier de la photographie en Russie

Giovanni, später bekannt als Ivan Bianchi, reist als 10-jähriger Bub in Begleitung seines Onkels mütterlicherseits, Angelo Artari, nach Moskau. Angelo Artari hat sich einen Namen gemacht als Dekorationsmaler und Professor der Künste. Sein Onkel ist zweifelsohne Ivan erster Lehrer und Förderer. Der junge Bianchi besucht später das im 1832 neu gegründete Institut für Malerei und Skulptur in Moskau. Er lässt sich zum Aquarellisten ausbilden. Nun nennt er sich Ivan.

Kaum hat er die Nachricht von der Erfindung der Photographie vernommen,  verlässt er im 1839 Russland, um sich in Paris (als gebildeter Europäer spricht er auch französisch) in die Geheimnisse der neuen Kunst einweihen zu lassen und diese zu perfektionieren. In Paris wird er Jean genannt.

1846 kehrt er nach Moskau zurück, wo er als Maler seinen Lebensunterhalt verdient. Zu dieser Zeit herrscht Zar Nicola I. von 1825 bis 1855. Sechs Jahre später zieht er nach St. Petersburg. Die Weiterentwicklung der Photographie verfolgt Ivan mit grossem Interesse und Aufmerksamkeit. Dort photographiert er im Jahre 1852 – wohl im Auftrag von Agostino Camuzzi – das «Türkische Bad», ein gerade eben von Ippoliti Monighetti aus Biasca und Agostino Camuzzi vollendetes Denkmal der Russisch-Türkischen Kriege.

Vue du Bain Turc sur le Grand Etang de la résidence impériale de Catherine
Ivan Bianchi, 1850-1852: Vue du Bain Turc sur le Grand Etang de la résidence impériale de Catherine II à Tsarskoe Selo.

Ab 1853, photographiert Bianchi systematisch Monumente, Denkmäler und Kathedralen von St. Petersburg. Der Tessiner Bianchi hat sein Landsmann, den Architekten Domenico Trezzini (1670-1734), mit seiner Fotografie der von ihm erbauten Peter-und-Paul-Kathedrale, unsterblich gemacht.

Die drei erhalten gebliebenen Abzüge stellen die ältesten Fotografien von Bauten aus dem Grossraum St. Petersburg dar und zählen darüber hinaus zu den frühsten photographischen Dokumenten eines Neubaus. Schon diese Frühwerke weisen Bianchi, dem zweifellos sein Können als Aquarellist zugute kam, als formsicheren Photographen aus. Bis 1854 entstehen dann Aufnahmen weiterer Monumente, Kirchen, Palästen, Brücken.

Photographe d'Ivan Bianchi en 1853, Saint Petersburg, Cattedrale dei Santi Pietro e Paolo nella Fortezza. Progettata dall'architetto Domenico Terzini; edificata dal 1712 al 1732.
Ivan Bianchi: Cathédrale des Saints-Pierre-et-Paul à St. Petersbourg, 1853. Vue du Palais d’Hiver. La Cathédrale fut construit par l’architecte Domenico Trezzini entre 1712 et 1732.

Diese Ansichten – auch wenn sie wie durch zarte Nebel aufgenommen scheinen – faszinieren noch heute durch ihren künstlerische Umsetzung. So erlebt man die Architekturen nicht nur als plastische Objekte im Licht. Sie sind auch völlig vom Alltäglichen befreit und fast surreal überhöht, weil Passanten und Fahrzeuge der langen Belichtungszeiten wegen nicht zu sehen sind und auch keine stehenden Fuhrwerke. Seinen Lebensunterhalt verdient Bianchi aber weder mit diesen Stadtansichten noch mit jenen Darstellungen aller Bahnhöfe entlang der Bahnlinie nach Peterhof, sondern mit Porträtaufnahmen.

Bianchi war auch ein bekannter Maler von Portraits. Bereits im 1852 eröffnet er ein Studio mit der Firmenbezeichnung Portraits und Photographische Ansichten in St. Petersburg. Viele seiner Landsleute lassen sich von ihm portraitieren. Am 14.5.1858 wird ihm ausserdem der Titel „artiste hors-classe“ von der St. Petersburger Kunstakademie verliehen. Dank diesem Titel kann er sich nicht nur freier seinen Aktivitäten in Russland widmen, sondern er erhält dadurch auch wichtige Aufträge. Die Akademie richtet bereits Ende 1840 Photokurse für angehende Künstler ein.

Ab 1865 übernimmt er dann ein Atelier an der angesehenen Niewski Prospekt, eine der berühmtesten Strassen Russlands. In den Jahren 1860 und 1870 spezialisiert er sich in der Architekturfotografie. Ebenso geniesst er einen exzellenten Ruf als Fotograf von Interieurs und Innenräumen der Adelshäuser und Paläste.

Es ist nicht ganz sicher, ob Giovanni Battista Bianchi jemals geheiratet hat. Einige berichten, dass er sich mit einer Tessinerin vermählt habe. Diese Dame aber wollte nur an sein Geld. Kaum war sie im Besitze seines Vermögens, verliess sie ihn mit ihrem Geliebten. Sein fotografisches Werk, der grösste Teil seiner Negative, vernichtete sie skrupellos.

Wie sein Bruder Giuseppe, verlässt auch er St. Petersburg und kehrt im Jahre 1884 in die Heimat zurück. Er lässt sich in Montagnola nieder, wo er, völlig unerkannt, sein Leben fristet. Bis zu seinem Tode lebt er von der Unterstützung seines Bruders Giuseppe. Er stirbt am Weihnachtsabend, am 24.12.1893, in seiner Wohnung an der Via Nasse 133 in Lugano, im Alter von 82 Jahren. Am folgenden Tag wird er auf dem Friedhof nahe der Kirche Santa Maria von Lugano beerdigt. Später, im 1914, wurden Kirche und Friedhof mit dem Grab von Giovanni Bianchi, aufgrund städtebaulicher Verschiebungen, abgebrochen.

Der Photograph Ivan Bianchi wird heute noch in St. Petersburg hoch geschätzt. Verkannt respektive unerkannt in der Heimat, hat er einen gebührenden Platz in der Geschichte seiner adoptierten Stadt an der Newa gefunden.

Ein Nachwort: Ivan Bianchi erfährt in unserer Zeit hohe Anerkennung. Ausstellungen über sein bedeutendes fotografisches Werk fanden statt in St. Petersburg, Mailand und in seiner Heimat.

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